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Was sind EUTB-Stellen?

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Was steht hinter der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB)

Seit 2017 gibt es das Bundesteilhabe Gesetz, das stufenweise umgesetzt wird. Ziel des Gesetzes ist es, Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung über ihr Leben zu geben. Sie sollen besser am gesellschaftlichen Alltag teilnehmen können und optimalen die Arbeitswelt integriert werden. So soll jede Person mit einer Behinderung genau die Unterstützung bekommen, die sie auf Grund ihrer Behinderung braucht.

Was sind EUTB-Stellen

Zur zweiten Umsetzungsstufe des neuen Gesetzes gehört auch die Schaffung unabhängiger Teilhabeberatungsstellen. Diese Ergänzenden unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) hilft Behinderten oder Menschen, die von Behinderung bedroht sind sowie ihren Angehörigen, sich besser im Dschungel der Gesetze, Möglichkeiten zur Teilhabe und Rehabiltation zurecht zu finden.

Das Angebot der EUTB-Stellen soll flächendeckend in ganz Deutschland angeboten werden. Unabhängige Träger konnten sich bei der Fachstelle des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bewerben. In Dresden bekam die Stadt-AG Aktives Netzwerk für ein inklusive Leben in Dresden e.V. den Zuschlag. Sie betreibt nun eine von 500 Stellen Deutschlands.

Beratung in Dresden

Anja Reger, Chefin der Dresdner Beratungsstelle, sagte Encourage-Onlinemagazin dazu folgendes: „Die Stadt-AG und ihr Netzwerk gibt es schon seit 1992. Wir sind ein freiwilliger Zusammenschluss und eine Interessengemeinschaft von Dresdner Vereinen, sich unabhängig für Menschen mit Behinderungen, chronischen Krankheiten einsetzen. Wir haben also reichlich Erfahrungen in der Beratung zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“

In der Dresdner Beratungsstelle arbeiten acht Mitarbeiter, drei als Festangestellte, fünf als Teilzeitkräfte, die vor allem die Beratungen durchführen. „Die Besonderheit unser Beratungsstelle ist, dass wir eine hohe Anzahl an Peer-Beratungen anbieten können. Aufgrund unseres Netzwerkes haben wir Kontakt zu vielen kompetenten Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten, die absolut in der Materie stehen und andere Menschen beraten können.“, sagt Reger.

Beratungsschwerpunkte

Vor alles die Peer-Beratungen, also Beratungen durch einen Menschen, der die gleiche oder eine ähnliche Behinderung hat, machen die Gesprächsqualität der EUTB-Stellen aus. „Wir können auf Grund unserer eigenen Erfahrungen mit Ämtern und Behörden fundierte Tipps und Hilfen anbieten.“, sagt Thomas Wacker, Berater der Dresdner EUTB-Stelle. Sein Kollege Birger Höhn ergänzt: „Wir können sehr genau nachvollziehen, wo der Schuh drückt. Und auf Grund des Netzwerkes der Stadt-AG sind wir sehr breit aufgestellt. Wir haben bei der Beratung außerdem auch unsere eigenen Schwerpunkte.“

Die Dresdner EUTB-Stelle hat sich folgende Schwerpunkte selbst gesetzt:

  • Beratung zu Teilhabe Freizeit, Arbeit, Wohnen
  • Beratung zur Hilfsmittelversorgung
  • Beratung zur persönlichen Krankheitsbewältigung
  • Beratung zum Persönlichen Budget
  • Beratung zu Pflege- und Eingliederungsleistungen
  • Peer-Beratung
  • Politische Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • Beratung von Menschen mit neurologischen, psychichischen und genetische Erkrankungen.

„Vor allem Beratungen zum Persönlichen Budget sind gefragt“, so Anja Reger. „Zum einen gibt es davon noch nicht so viele und einige Aspekte sind bei dieser Form der finanziellen Unabhängigkeit Behinderter noch nicht klar definiert. Da haben auch Ämter und Behörden nicht immer den Durchblick. Aber dafür sind wir ja da.“

Organisation der EUTB-Stellen

Die Finanzierung der EUTBs ist vorerst bis 2020 befristet. In dieser Zeit wird die Arbeit der Beratungsstellen evaluiert und an die Bedürfnisse der Betroffenen angepaßt. „Natürlich existiert auch ein unabhängiges Qualitätsmanagement zweier Institute,“ erläutert Reger, „die unsere Arbeit dokumentieren und unterstützen.“

Auch untereinander sind die EUTB-Beratungsstellen vernetzt, um möglichst schnell und kompetent die Ratsuchenden zu unterstützen. „Allein in Sachsen sind es mittlerweile 26 Einrichtungen,“ so Wacker.  Die Angebote der Beratungsstelle sind kostenlos. Es ist sinnvoll, vor einem Gespräch einen Termin zu vereinbaren, damit schon im Vorfeld der passende Berater gesucht werden kann. Und wenn die Mitarbeiter mal nicht weiter helfen können, so kennen sie die Menschen, die es können.

Was wichtig ist

„Uns ist es wichtig, dass unsere Arbeit für behinderte Menschen politisch und gesellschaftlich wahrgenommen wird. Das Bundesteilhabe gesetzt ist dafür ein wichtiger Schritt“, erklärt Anja Reger, „Nun ist es an uns Behinderte in die Gesellschaft zu inkludieren und unsere Umwelt so zu verändern, das alle Menschen ungehindert darin leben können. Es geht um die Herstellung einer neuen Normalität.“ (mvg)

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